Die Hellers (Heller)

Sie kamen aus Franken. Der Urgroßvater kam aus Aufkirchen als Bierbrauer zur Familie Michel (Michelsbräu) nach Babenhausen. Dort heiratete er und die ersten drei Kinder kamen dort zur Welt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht mehr als Braumeister arbeiten und bekam deshalb in Dudenhofen (heute Rodgaustadt) die Gaststätte „Michelsbräu“ zur Pacht.
Als zum Umzug gerüstet wurde ging es mit Sack und Pack zu Fuß über die Babenhäuser Chaussee nach Dudenhofen. Der damals jüngste Sohn wurde in die Kinder-Chaise gepackt und los ging’s. Den ganzen Weg nach Dudenhofen brüllte der Kleine.
Erst in Dudenhofen angekommen stellte sich heraus warum: Sein Finger war aus dem Wagen gerutscht und ratterte in den Speichen des Rades! Zeit seines Lebens hatte daher Onkel Wilhelm eine verknuppelte Zeigefingerspitze. Die Großmutter wurde nur die „Heller-Gret“ genannt, auch nach ihrer Hochzeit mit Philipp Kratz VII. Interessanterweise wurde auch dieser dann „Heller-Philipp“ genannt. Darauf war er sogar stolz. Oma war sehr impulsiv und es gab allerhand Schläge. Wehe die Geiß trat beim Melken in den Eimer oder stieß ihn um! Die Enten und auch später die Hühner wurden morgens erst abgegriffen, d. h. es wurde hinten geprüft ob noch ein Ei kurz vorm Legen war. Kein Ei zu fühlen, d. h. es war gelegt, dann aus dem Stall geschmissen, Ei noch zu fühlen – bleibt im Stall eingesperrt. Es durfte ja kein Ei woanders gelegt werden.
Auf großen Hochzeiten war sie immer als Köchin willkommen. Neben meiner Mutter hatte sie noch eine uneheliche Tochter, Tante Käthe. Omas erster Verlobter wanderte in die damalige deutsche Kolonie Südwestafrika (Namibia) aus.. Sie wollte mit. Aber der Vater erlaubte dies nicht. Er brauche sie daheim, da die Mutter im Kindbett des letzten Kindes verstarb. Sie musste diese, als die älteste Tochter, nun im Haushalt, in der Gaststätte und bei den jüngeren Geschwistern vertreten. Die Gaststätte hatte nur blank gescheuerte Tische. Der Fußboden war aus rohen Dielen. Diese wurden mit feinem Rheinsand bestreut. Die Bauern nahmen vielfach Kautabak (es wurde „geschort“) und spukten daher auch auf die Erde. Morgens wurde der Boden gerecht und samstags kam der Sand raus und neuer rein, Der feine Rheinsand wurde auch zum Scheuern der Tische mit der Wurzelbürste benutzt (Scheuersand). Auch meine Mutter wurde „das Heller-Annche“ genannt, obwohl sie als Kratz geboren wurde. Opas Vater war in Dudenhofen Dorfschmied. Die Schmiede lag der Gaststätte „Michelsbräu“ gegenüber. So alle Stunde lege Uropa den Hammer beiseite, steckte den einen Schürzenzipfel in den Gurt und kam in die Wirtschaft: „gib` mir mal e Werfche“! Dies war dann ein Schnapsglas mit ca. 5cl Inhalt. Der wurde „hinter die Binde“ gegossen und weiter ging`s in der Schmiede.
Mit freundlichem Einverständnis von Klaus Becker veröffentlicht hier der Verein "Heimat Geschichte & Kultur in Dudenhofen e.V." kleine Geschichten und Anekdoten, die von Ihm selbst verfasst wurden